Forschung & Lehre

Forschungs- & akademische Projekte

 

Laufende akademische Forschungen und Publikationspläne

1. Rekonstruktion der nachkantischen Philosophie
Seit einigen Jahren beschäftigen mich Fragen der Genesis und Geltung der klassischen nachkantischen Philosophie. Dazu plane ich eine Reihe weiterer internationaler Aufsatzpublikationen und eine einführende Monographie für eine weitere Öffentlichkeit. Die differenzierten argumentationsanalytischen Studien (ausgehend von D. Henrich und seiner Schule) werden dabei mit weiter ausgreifenden ideen- und kulturgeschichtlichen Überlegungen verbunden werden, so dass sich ein gestaffeltes Panorama ergibt, vor dem das spezifische Profil der nachkantischen Philosophie, bei Fichte, Schelling, Hegel, aber auch Schleiermacher und der Frühromantik hervortreten kann. Die (nahezu) ausschließliche Fokussierung auf den Prinzipienstatus der Subjektivität wird dabei, u.a. naturphilosophisch, modifiziert werden. In diesem Zusammenhang wird auch das Verhältnis klassischer deutscher Philosophie zu den hauptsächlichen Tendenzen der Aufklärung und den Ausprägungen der westlichen Philosophie diskutiert werden. Ein besonderer Fokus wird in diesem Zusammenhang auf Hegels Denken und dessen Aktualität gelegt.

2. Analytische Philosophie und Phänomenologie. Eine genealogische Rekonstruktion in systematischer Absicht
Ein Forschungsschwerpunkt wird auf dem Projekt liegen, das die gemeinsamen Anfänge der beiden Hauptrichtungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts untersuchen soll, die sich in der Zwischenzeit weit auseinanderentwickelt haben: nämlich sprachanalytisch semantische Philosophie (Frege, Wittgenstein) und Phänomenologie (Husserl). Beide hatten das gemeinsame Anliegen, in Abgrenzung von Psychologismus und Historismus (durch Akzentuierung des Unterschiedes von Genesis und Geltung) philosophische Begriffe und Kategorien in ihrer Eigenständigkeit zu begründen und der Philosophie wieder den Rang einer ‚Ersten Wissenschaft’ zuzubilligen. Von diesem gemeinsamen Anfang her wird in dem Projekt (1) die Entwicklung, Ausdifferenzierung verschiedener Schulrichtungen und die Divergenz beider Grundrichtungen entwickelt. Es soll sichtbar gemacht werden, warum sie bis zur Kommunikationsunfähigkeit divergiert sind; (2) wird systematisch gefragt, ob und inwiefern in dem gegenwärtigen philosophischen und wissenschaftlichen Diskurs die Gesprächsfähigkeit wiederhergestellt werden kann und wie sich Philosophie vor diesem Horizont im interdisziplinären Diskurs positionieren kann, insbesondere im Verhältnis zu Human- und Sozialwissenschaften (Neurowissenschaften und Biowissenschaften).

3. Philosophiegeschichte und systematische Philosophie: Methodik und Rekonstruktion von Denk- und Rationalitätsformen
Ein eng mit dem skizzierten Kontext zusammenhängender künftiger methodischer Schwerpunkt meiner Arbeit wird auf der Problematik des Zusammenhangs zwischen historisch ideengeschichtlicher und systematischer Fragestellungen in der Philosophie liegen.

Entgegen der Tendenz zu ihrer Entkoppelung wird zu zeigen sein, dass sich beide Problemhorizonte wechselseitig ergänzen: Systematische Philosophie ohne Geschichte bleibt blind für Differenzierung. Sie läuft Gefahr, das Rad neu erfinden zu wollen. Geschichte der Philosophie ohne systematische Fragerichtung wird zur bloßen Doxographie. In diesem Zusammenhang sollen Rekonstruktionen vergangenen Denkens im Horizont systematischer Fragestellungen der gegenwärtigen systematischen Philosophie (sowohl der analytischen als auch der phänomenologischen Traditionen) geprüft und diskutiert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Denkform der Dialektik in ihren verschiedenen Spielarten zwischen Platon und Hegel: inwiefern ist sie mit heute einleuchtenden Mitteln rekonstruierbar.

Die skizzierte methodische Problematik steht auch im Zusammenhang der Frage einer sachlichen und methodischen Korrespondenz zwischen transzendentalphilosophischen Ansätzen und den Traditionen analytische Philosophie. Wenn Robert Brandoms Diagnose, weite Teile der analytischen Philosophie seien noch nicht über ein Lockesches Stadium in ein Kantisches Stadium eingetreten, zutrifft, dann stellt sich die Frage einer Reformulierbarkeit transzendentalphilosophischer Problemstellungen in analytisch semantischer Form, die nicht einer Verkürzung unterliegt.

4. Philosophie und Psychoanalyse. Topographie eines Verhältnisses
Ein weiteres Forschungsvorhaben wird sich auf die philosophische Reflexion der verschiedenen Zweige der Psychoanalyse, vor allem auf Freud, Jung und ihre deutschjüdischen Schüler (wie Erich Neumann) und auf die Probleme konzentrieren, die die Tiefenanalyse für die Ethik aufwirft. Wird Ethik durch den psychoanalytischen Blick obsolet, oder ermöglicht die Tiefenhermeneutik einen anderen Zugang zu ethischen Fragen, wie Erich Neumann im Anschluss an Nietzsche meinte? Diese praktisch philosophischen werden neben Fragen der Subjektivitätskonzeption und der Epistemologie der Tiefenpsychologie im Zentrum stehen. Zu erwarten ist auch, dass die Rekonstruktionen ein, trotz mancher gegenläufiger Ansätze, nach wie vor bestehendes Nicht-Verhältnis zwischen beiden Bereichen korrigieren und für die gegenwärtigen Debatten um Hirnforschung und Freiheit ertragreich sein können. Auch die Einführung psychoanalytischer Methoden in Philosophien der ‚Dekonstruktion’ wird dabei einer – kritischen – Relektüre unterzogen. Dieses Teilprojekt soll in Zusammenarbeit mit der Universität der Jesuiten und Ludwig Maximilians-Universität München durchgeführt werden (insbes. Lehrstuhl Medical Care, Prof. Dr. E. Frick). Sie soll u.a. in mehreren internationalen Kongressen und Konferenzen Niederschlag finden. Mehrere Editionen sind in diesem Zusammenhang geplant.
Das Spannungsfeld zwischen Philosophie und Psychoanalyse soll aber nicht nur selbst Gegenstand von Forschung werden. Es soll zugleich fruchtbar gemacht werden für eine Reformulierung klassischer Topoi der Subjektphilosophie: Subjektivität, Erinnerung, Gedächtnis.

5. Bildungsphilosophie. Erneuerung einer fast vergessenen Disziplin
Eine besondere, längerfristige Herausforderung läge in der Rehabilitation einer Bildungsphilosophie und der systematischen Aufarbeitung der klassischen Texte und Konzeptionen von der Aufklärung über Idealismus und Romantik, und in der Frage, wie eine Bildungsphilosophie vor dem Fokus von empirischer Bildungs- und Wissenschaftsforschung entwickelt werden kann. Ein besonderer Akzent wird dabei auf Fragen ästhetischer Bildung gelegt werden.

6. Bioethik und Lebenswissenschaften
In den nächsten Jahren wird die Arbeit an einer integrativen Ethik im Zentrum meiner Forschungen stehen. Dabei wird es zentral um ein nicht-reduktives Verständnis des leiblich seelischen Zusammenhangs des Menschseins, in Auseinandersetzung mit Optionen des Leib-Seele-Dualismus und der Hirnforschung und um die phänomenale, heuristische und normative Fundierung der Bioethik gehen.